Das Solingen-Kompendium: Anthony Carters „German Knife and Sword Makers“ als überarbeitete Neuausgabe in einem Band erschienen

Auf die Fertigstellung dieses Nachschlagewerks hat die Fachwelt seit 13 Jahren gewartet: 2002 erschien der erste Band von Anthony Carters The Sword and Knife Makers of Germany 1850-2000, der die Buchstaben „A“ bis „L“ umfasst. Der plötzliche Tod des Autors erschwerte die Veröffentlichung des zweiten Bandes, dessen Erscheinen zwar mehrfach angekündigt, aber immer wieder verschoben wurde. Das nun verfügbare 656 Seiten starke Werk ist eine „complete, fully-revised edition“, eine überarbeitete Neuausgabe, die von Adams & Martin bis Gottfried Zuckschwerdt reicht und den leicht veränderten Titel German Knife and Sword Makers. The definitive directory of makers and marks, from 1850 to 1945 trägt.

Wer das Glück hatte, ein Exemplar des 2002 erschienenen Buchs zu ergattern, hütete es wie einen Schatz; im antiquarischen Buchhandel tauchte es jedenfalls seit Jahren nicht mehr auf. Dass jetzt eine Komplettausgabe vorliegt, die über 1.400 Stahlwarenfabrikanten berücksichtigt, ist vor allem John Walter und Henning Ritter zu verdanken, die Anthony Carters Arbeit in vorbildlicher Weise fortgeführt haben. Selbstverständlich wurden auch sie – wie vor ihnen schon Carter – von einem Heer von Experten und Enthusiasten unterstützt.

Carters Grundprinzip wurde beibehalten: Die Artikel sind alphabetisch nach Herstellernamen geordnet, jedes Unternehmen wird in einem Eintrag vorgestellt, der manchmal nur wenige Zeilen, aber mitunter auch mehrere Seiten lang ist. Neben einem Abriss der Firmengeschichte und des Produktspektrums werden die dem Hersteller zugeordneten Wort- und Bildmarken aufgelistet. War ein Unternehmen während des Ersten und/oder Zweiten Weltkriegs in die militärische Produktion involviert, werden die nachgewiesenen Militaria gesondert vermerkt. Reproduktionen von Logos, Bildmarken und historischen Werbeanzeigen sowie Abbildungen aus alten Katalogen, Musterbüchern und Patentschriften ergänzen die Textinformationen auf vielfältige Weise und lockern die Darstellung auf.

Die Autoren haben jedoch nicht nur die fehlenden Buchstabengruppen hinzugefügt, sondern auch das aus dem ersten Band stammende Material aktualisiert und ergänzt. Abbildungen wurden neu hinzugefügt oder ausgetauscht. Der Untertitel des Buchs, der den Zeitraum auf die Jahre von 1850 bis 1945 eingrenzt, ist in diesem Punkt etwas irreführend: Zwar werden keine Firmen berücksichtigt, die nach 1945 gegründet wurden – von denen es ohnehin nicht viele geben dürfte –, wichtige Veränderungen in der Unternehmenstätigkeit werden jedoch auch über diesen Zeitpunkt hinaus dokumentiert. Das war auch schon in dem 2002 erschienenen Band der Fall, der den Zeitraum bis zum Jahr 2000 abdeckt. Die Neuausgabe referiert relevante Unternehmensinformationen bis etwa zum Jahr 2010.

Der kenntnisreiche historische Essay, der das Werk einleitet, wurde ebenfalls überarbeitet: Zwischenüberschriften erleichtern jetzt die Orientierung im Text, der zudem an einigen Stellen sprachlich geglättet und um zusätzliche Informationen (z. B. statistische Daten) angereichert wurde. Ein großes Manko der ersten Ausgabe waren fehlende Angaben zur Herkunft, Datierung und inhaltlichen Einordnung der meisten Abbildungen. Dieses Defizit wird in der Neuausgabe durch aussagekräftige Bildunterschriften in der Randspalte beseitigt. Außerdem lassen sich die umfangreichen Informationen des gesamten Werks bequem durch ein Namens- und Markenregister am Ende des Buchs erschließen. Ein erweitertes zweisprachiges Glossar erleichtert zudem die Übersetzung der schneidwarenspezifischen Terminologie.

Schon Carters ursprüngliches Buch bedeutete für jeden historisch interessierten Messerliebhaber eine unbedingte Pflichtlektüre. Das gilt erst recht für die nun vorliegende Komplettausgabe, die eine würdige Vollendung von Carters Arbeit darstellt. Dieses Kompendium ist ein wichtiger Meilenstein in der Dokumentationsgeschichte der Solinger Schneidwarenindustrie.

Das Buch wird auf dem europäischen Festland exklusiv von der Firma Hubertus vertrieben (zum Bestellformular).

J. Anthony Carter: German Knife and Sword Makers. The definitive directory of makers and marks, from 1850 to 1945, revised and enlarged by John Walter and Henning Ritter, 656 Seiten, Format 19,0 x 25,5 cm, Hardcover, EUR 69,- inkl. Versand (ISBN 9780996073103)

 

Von | 2016-11-08T14:12:21+00:00 15.09.2015|Buchbesprechungen|0 Kommentare

Über den Autor:

Stefan Schmalhaus studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie in Münster. Er schreibt regelmäßig für die Zeitschrift "Messer Magazin" und ist Autor des Buchs "Gentleman-Taschenmesser". Darüber hinaus betreibt er seit vielen Jahren Europas größten YouTube-Kanal rund um edle Schneidwerkzeuge.

Hinterlassen Sie einen Kommentar